Wechselspiel mit schnellen Bällen

Als das Wirtschaftsleben Ferlachs noch von den Büchsenmachern und der eisenverarbeitenden Industrie geprägt war und Badminton noch Federball hieß, exakt im Jahr 1960, hatte ein gewisser Walter Perkounig, damals als Büroangestellter umtriebig, in der WSG (Werkssportgemeinschaft) seines Arbeitgebers KESTAG eine Federballsektion ins Leben gerufen. Als sich Perkounig 1963 beruflich veränderte und die KESTAG verließ, fand sich niemand, der die Position eines Sektionsleiters übernehmen wollte. Die Folge: Auch die übrigen Federballer verließen die WSG und man gründete einen eigenen Verein, den Sportclub Ferlach. Obmann: natürlich Walter Perkounig.

Im Turnsaal der "alten Hauptschule" jagten in den ersten Jahren die Damen Hildegard Oman, Karin Raspotnig, Erna Bierbaumer, Margit Juch, Ursula Gießmann, Maria Doujak, Bärbel Sedminek sowie die Herren Robert Barmetler, Vinzenz Struger, die Brüder Kail und Perowitz, Josef Barounig, Hermann Repitsch, Peter H. Ebner, Richard Mak, Heinz Pirker sowie natürlich der frisch gebackene SC-Obmann Walter Perkounig die Bälle übers Netz, in den eiskalten Wintermonaten manchmal behandschuht und umnebelt vom Hauch des eigenen Atems. Nach zahlreichen Beschwerden von Seiten der gegnerischen Mannschaften über die Ferlacher Methode des Schockgefrierens schuf der Kärntner Federballverband eine eigene "Lex Ferlach". In die Regeln wurde aufgenommen, dass die Temperatur in Turnsälen bei Spielen mindestens acht Grad Plus betragen müsse. Das war ja nun auch nicht gerade tropisch warm.

Trotz dieser kühlen Bedingungen, die sich sommers ins genaue Gegenteil verkehrten, machte sich der SC Ferlach als Veranstalter von Anfang an einen Namen. Fester Bestandteil im Österreichischen Turnierkalender wurde das Federball-Volksabstimmungs-Gedenkturnier, das jahrelang jährlich abgehalten wurde. Nur wenige Pokale blieben allerdings in Ferlach, die meisten fielen in die Hände von Spitzenspielerinnen und –spielern aus anderen Bundesländern.

Mit wechselndem Erfolg mischte die Mannschaft des SC Ferlach in der heimischen Meisterschaft mit. Ein Auf und Ab gab es aber auch auf Funktionärsebene. Ein Sektionsleiter nach dem anderen legte sein Amt zurück, aus beruflicher Überlastung, familiärer Belastung oder wegen Abwanderung zu einer anderen Sportart. Immerhin bot der SC Ferlach mit Handball, Volleyball und seit 1971 auch Basketball vielfältige Möglichkeiten, mit Bällen zu spielen, und auch diese Sektionen benötigten Funktionäre, von denen der junge SC einfach zu wenige hatte. So vegetierte die Gründungssektion dahin, weil andere aufblühten.

Endlich, im Jahr 1972, holte die damals 23-jährige Gottfriede Huber die Badmintonsektion aus dem Tiefschlaf. Die ambitionierte Junglehrerin pendelte beharrlich aus ihrem Berufsort Völkermarkt ein, um die Sektion wieder auf Vorderfrau zu bringen. Intensiv setzte sie sich mit der Trainingslehre des Badmintonspieles auseinander, einer Sportart, die in ihrer Komplexität hohe Reaktionsfähigkeit, Koordination, Kondition, Schnelligkeit, viel Technik und auch eine sehr gute Taktik erfordert. Mit Ballgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h gilt Badminton als die schnellste Rückschlagsportart.

"Friedi" setzte vor allem bei der Nachwuchsarbeit an, für eine Lehrerin mit reichlich pädagogischem Geschick naheliegend. Bereits im Herbst 1973 wurde in Ferlach ein Jugend- und Schüler-Cupturnier des Kärntner Badmintonverbandes ausgerichtet, an dem 68 Spielerinnen und Spieler teilnahmen. Eine ausgezeichnete Gelegenheit für den Ferlacher Nachwuchs, wie Walter Struger, Hermann Miklautz, Norbert Kosmitsch, Norbert Rack, Johann Wassner, Werner Poganitsch, Lydia Schaschl, Angelika Poganitsch und Gertrud Daxkobler, Erfahrung zu sammeln.

Trainiert wurde zweimal wöchentlich, und der jungen Sektionsleiterin gelang es, einen harten Kern um Hans Wassner, Walter Struger, Gertrud Daxkobler aufzubauen. 1973 konnte man wieder daran denken, an den Kärntner Mannschaftsmeisterschaften teilzunehmen. Zwar hatten die Ferlacher schon Jahre zuvor in diesem Bewerb mitgespielt und einmal sogar den Aufstieg in die Landesliga geschafft, aber die Nachhaltigkeit war ausgeblieben.

Das sollte nun anders werden. Langsam stellten sich die ersten Erfolge ein, aber nicht ohne harte Arbeit. Die Sektionsleiterin schickte ihre jungen Spieler in zahlreiche Sommertrainingslager, wo sie von nationalen und internationalen Spitzentrainern, wie dem österreichischen "Badmintongott" Hermann Fröhlich, der Dänin Helen Janson, dem Deutschen H. P. Niessner und dem Rumänen Stefan Nyari unter die Fittiche genommen wurden. Zu Hause wurde nun dreimal pro Woche trainiert.

Eine gewaltige Umstellung brachte der Wechsel von den bisher gebräuchlichen Kunststoffbällen auf Bälle mit Gänsefedern, die dem Spieler wesentlich größere Gestaltungsmöglichkeiten boten, aber auch anspruchsvoller zu spielen waren.

Dann kam das Jahr 1976. "Federball: Eine Saison wie nie. Staatsmeistertitel nach Ferlach" titelte der SCF-Kurier im März. Gertrud Daxkobler kehrte von den Österreichischen Jugend- und Schülermeisterschaften in Wien Schwechat mit einem dritten Platz im Einzel, einem dritten im Mixed-Doppel und dem Staatsmeistertitel im Doppel zurück. 1977 ging eine Ära zu Ende. Aus familiären und beruflichen Gründen legte Gottfriede Huber ihre Funktion zurück, wohl wissend, dass sie die Sektion in vertraute, verlässliche Hände übergeben konnte. Neuer Sektionsleiter wurde nämlich ihr Mann Ing. Ludwig Huber, Gottfriede blieb der Sektion als Trainerin treu. Das Training entwickelte sich noch professioneller, das Können stieg weiter. Die SC-Spieler gewannen viele Bewerbe und spielten national sowie international, einige waren auch im österreichischen Kader vertreten.

Ein großer Schritt nach vorne war 1979 der Einzug in die neue Ballspielhalle mit neun Feldern und einer Höhe von über sechzehn Metern. Dies eröffnete viel effizientere Möglichkeiten des Trainings.

Ludwig Huber wurde in den Verband als österreichischer Schüler- und Jugendwart berufen. Internationale Bewerbe führten ihn – auch mit den Ferlacher Spielern – nach Berlin, Edinburgh, Helsinki, Wien, Lausanne und Belgien.

Die Saison 1979/80 lässt sich zu den erfolgreichsten in der Geschichte des SCF-Badmintons zählen. Die Erste beendete ohne Niederlage die Meisterschaft in der Unterliga und stieg wieder einmal in die Liga auf. Eine neue Generation von erfolgreichen Nachwuchsspielern wuchs heran und belegte Spitzenplätze in den Cupbewerben. Gerhild Fister holte sich einen Staatsmeistertitel und wurde in den österreichischen Jugendkader aufgenommen.

In ähnlicher Manier ging es weiter. "Vier österreichische Meistertitel für den SCF! Österreichs bester Nachwuchs wohnt in Ferlach..." ist im SCF-Kurier vom Mai 1983 zu lesen. Nicht zufällig wird die Ehrentafel des SC Ferlach von BadmintonspielerInnen, die Österreichische oder Kärntner Meistertitel erringen konnten, dominiert.

Nach vielen Jahren großer Erfolge ging 1995 auch die zweite Epoche Huber zu Ende. Es war an der Zeit, die Sektion in jüngere Hände zu legen. Ludwig Huber verabschiedete sich mit der Gewissheit, großartige Arbeit geleistet zu haben, ins funktionärsfreie Privatleben.

Als Sektionsleiterin folgte ihm zunächst Mira Mikl. Zwei Jahre lang war sie für die Sektion da, leitete zweimal wöchentlich das Kinder- und Jugendtraining, beschickte Turniere und führte eine Mannschaft in der Kärntner Liga. Schließlich war es ihr auf Grund einer beruflichen Veränderung nicht mehr möglich, die Sektion weiterzuführen.

1998 sprang Hans Wassner ein. Mit einer kurzen Unterbrechung, 2003 bedingt durch einen längeren Aufenthalt in Graz und interimsmäßig vertreten durch Werner Uschnig, führte Hans Wassner die Sektion bis in die letzte Saison 2004/2005. Das Interesse der Jugend an Badminton war abgeflaut, ein geordneter Spielbetrieb nicht mehr möglich. 2006 wurde die Sektion Badminton stillgelegt.

 

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