Höhenflüge und Bruchlandungen

Die siebziger Jahre

Gerd Schretter, ein gebürtiger Radentheiner aus der gleichnamigen Kärntner Basketball-dynastie, kam 1971 nicht nur aus beruflichen Gründen, sondern vielmehr der Liebe wegen nach Ferlach, und es dauerte auch nicht lange, da wurde im gleichen Jahr eine Basketballsektion aus der Taufe gehoben.

Unten stehendes Bild zeigt die SCF-Basketballer der ersten Stunde, in Ermangelung richtiger Basketball-Dressen noch in langärmelige Handball-Leibchen gekleidet. Trainiert wurde im alten Turnsaal der Volksschule Süd in der Josef-Marx-Gasse.

Unvergessen ein erstes „Auslands-Engagement" der damaligen Basketballmannschaft in Köflach. Bereits die Anreise über die Pack mit dem SCF-VW-Bus war eine Weltreise und aufgrund der übergroßen Löcher in der Bodenplatte des Busses abenteuerlich. Ein Kfz-Pickerl nach heutigem Sicherheitsstandard hätte der damalige Vereinsbus sicher nicht erhalten.

Unter der Patronanz von „Gelautz-Bonbons" als damaligem Sponsor spielte unsere Mannschaft vor über 600 steirischen Fans in der Ballspielhalle Köflach. Spielertrainer Gerd Schretter kam die Aufgabe zu, die zunächst feindlich gestimmten steirischen Basketball-Fans in das Lager der Ferlacher Mannschaft zu locken. Er wandte hierbei eine geschickte List an, indem er fünf Kilogramm Gelautz-Zuckerln in die Menge warf. Es dauerte keine Minute und er hatte das Herz der 600 steirischen Basketball-Fans für den SC Ferlach gewonnen. Das anschließende Spielergebnis war vollkommen egal. Wichtig war: Wir hatten neue Freunde für unsere noch junge Mannschaft gewonnen.

Über Vermittlung des damaligen Basketballpräsidenten Dr. Erich Lindner gastierte Anfang 1973 eine israelische Basketballmannschaft in Ferlach. Gespielt wurde im Turnsaal der Hauptschule Ferlach. Die Israelis begeisterten mit spektakulären Spielzügen und warfen aus allen Lagen. Eine kleine Gruppe von bisher fußballbegeisterten Ferlacher Jugendlichen – gespielt wurde übrigens auf Kleinfeld am ehemaligen Handball-Rasenplatz des SC Ferlach in der Feldgasse – lief an diesem Abend voll Begeisterung in das Basketballlager über. Kurz danach wurde unter der Leitung von Gerd Schretter und Paul Rak bereits eifrig trainiert und in weiterer Folge eine Jugendmannschaft bewerbsmäßig angemeldet.

In weiterer Folge wurden Gerd Sonnberger bzw. Manfred Ortner und Peter Pegam in die Kärntner Junioren- bzw. Jugendauswahl berufen.

Im Jahre 1976 wurde über Initiative des damaligen Hauptschullehrers Peter H. Ebner neben der Jugend- und Herrenmannschaft auch eine Damenmannschaft gegründet. Durch diese Initiative des SC Ferlach gelang es gemeinsam mit dem SV Volksheim Waidmannsdorf, den Damenbasketballsport in Kärnten aus einem 25-jährigen Dornröschenschlaf zu wecken.

Unvergessen für die Spielerinnen war das erste offizielle Antreten einer Ferlacher Damenbasketballmannschaft gegen eine Klagenfurter Auswahl am Neuen Platz in Klagenfurt vor fast 1.000 begeisterten Zuschauern, welches ebenfalls über Vermittlung des damaligen Kärntner Verbandspräsidenten Dr. Erich Lindner zustande kam.

Bedingt durch die steigenden sportlichen Erfolge konnte Obmann Walter Perkounig mit Edi Korsche, seines Zeichens Inhaber des Tonstudios „Help-Records", einen Sponsor für die Basketballmannschaften zu gewinnen. Anlässlich der Übergabe der neuen „Help-Records"-Dressen an die Herren- und Damenmannschaft sprach Korsche die Hoffnung aus, die Basketballer mögen in Zukunft genauso gut spielen wie die „Alpenrose", die damals bei ihm unter einem Schallplattenvertrag stand, singen würde. Dies war dann gar nicht so leicht zu bewerkstelligen, da es uns doch leichter schien, hoch zu singen als hoch zu springen.

Die Jahre 1976 bis 1978 waren von vielen Höhen, aber auch Tiefen geprägt.

Einerseits gelang es der Herrenmannschaft, sich sportlich stetig weiterzuentwickeln, andererseits wurde die Damenmannschaft in wichtigen Spielen vom Verletzungspech einiger Leistungsträgerinnen verfolgt.

Durch gezielte Werbeaktionen an den Ferlacher Schulen konnten einige Neuzugänge – vorwiegend deutsche Fachschüler – für den Basketballsport gewonnen werden. Dies machte sich ab dem Jahr 1978 auch sportlich bemerkbar. Die Männermannschaft konnte sich in der Kärntner Liga im oberen Drittel platzieren (5. Platz von 13 Mannschaften). Von den renommierten Gegnern konnte erstmals auch die WSG Radenthein knapp geschlagen werden.

1979 war sicherlich das erfolgreichste Jahr seit Bestehen der Basketballsektion. Manfred Ortner und Rainer Sonnberger lagen in der Wurfstatistik der Landesliga auf den Plätzen eins und zwei. Schließlich konnte die Mannschaft auch im Kärntner Cup überzeugen und sicherte sich die Teilnahme am Österreichischen Basketball-Cup 1979, wo sie allerdings in der ersten Runde auswärts gegen den Staatsligaklub UKJ Möllerdorf vorzeitig ausschied.

Das Jahr 1979 war jedoch gleichzeitig auch ein Jahr der sportlichen Wende. Verbandsintern kam es zu Auslegungsproblemen im Zusammenhang mit der Aufteilung der Landesliga in einzelne Leistungsklassen, wobei dem SC Ferlach seitens des Kärntner Verbandes organisatorisch übel mitgespielt wurde und der SC Ferlach nach einer mehrmonatigen Zwangspause letztlich strafversetzt in der Unterliga weiterspielen musste.

Es kam aber auch zu internen Auffassungsunterschiede über die zukünftigen sportlichen Ziele innerhalb der Basketballsektion. Diese Vorkommnisse leiteten vorerst einen sportlichen Niedergang der Sektion ein. Gleichzeitig schieden langjährige Leistungsträger und Funktionäre studienhalber bzw. altersbedingt aus.

Die achtziger Jahre

Anfang der achtziger Jahre kam es vorerst unter Sektionsleiter Rainer Sonnberger zu einem kompletten Neuanfang, in der Folge leiteten Alois Erschen und Werner Piskernig die Basketballsektion. Unter Tino Wieser und Walter Odreitz gelang es wiederum, neben der Herrenmannschaft, welche mit wechselndem Erfolg in der Unterliga spielt, erneut eine Jugendmannschaft aufzubauen.

Als Sponsor trat Mitte der Achtziger Jahre auch die Import-Export-Firma „Spiderman" aus dem Loibltal auf. Für die Nachwuchsarbeit konnte 1982 zuerst Prof. Rado Sis aus Brünn gewonnen werden. Im Jahr darauf leitete Tone Krusic, ein Basketball-Legionär der Klagenfurter Bundesliga-Mannschaft, das Nachwuchstraining.

Österreichweit war die Herrenmannschaft allerdings nicht konkurrenzfähig. Im Österreich-Cup unterliegt die Ferlacher Mannschaft dem ABC Wels mit 44:104 deutlich.

Die neunziger Jahre

Aufgrund der fehlenden sportlichen Erfolge und auch aufgrund fehlender Trainer und Funktionäre wird die Basketballsektion Anfang der neunziger Jahre stillgelegt.

Das neue Jahrtausend

Während im SC Ferlach die Sektion stillgelegt wurde, übernahm Manfred Ortner im Rahmen einer Hilfsaktion des Kärntner Basketballverbandes interimistisch die Basketballsektion der Sport-Union Klagenfurt, da der dortige Sektionsleiter aus beruflichen Gründen zurückgetreten war.

Zusammen mit Walter Odreitz und Bernhard Rabitsch, beide Lehrer am BG Lerchenfeld, gelang es durch verstärkte Trainingsarbeit in den Klagenfurter Schulen binnen zwei Jahren sämtliche Nachwuchsklassen zu besetzen und eine konkurrenzfähige Landesligamannschaft auf die Beine zu stellen. Der tragische Tod von Bernhard Rabitsch beendete das ambitionierte Klagenfurter Sportprojekt, da es in weiterer Folge nicht gelang, ältere Spieler dazu zu bewegen, die Nachwuchsspieler zu betreuen.

Im Jahr 2001 erfolgte die Wiederbelebung der Basketballsektion im SC Ferlach. Walter Odreitz als neuer Sektionsleiter übernahm die Spieler der Landesliga-Mannschaft der Sport-Union Klagenfurt in den SC Ferlach. Diese Mannschaft nahm nun als „Red Devils" an der laufenden Meisterschaft der Kärntner Liga teil. Gleichzeitig wurde mit Ferlacher Jugendlichen eine Schülermannschaft aufgebaut.

Im April 2007 meldete die „Kleine Zeitung", dass sich der SC Ferlach mit einem 89:77-Sieg gegen BB Lienz im letzten Aufstiegs-Play-off-Spiel den Klassenerhalt in der Basketball-Landesliga gesichert hat und in der Saison 2008/2009 wieder in der Liga vertreten sein wird.

Ein Jahr später unterlagen allerdings die „Red Devils" dem BBC Wolfsberg im entscheidenden Spiel um den Verbleib in der Kärntner Liga mit 81:91.

Ferlacher Oldies – ein Wiederbelebungsversuch

Die langjährige Freundschaft zwischen Walter Odreitz und Hartmuth Rieser vom Basketballklub UBC Kirchberg in Tirol war mit ein Grund, dass ehemals aktive Basketballer des SC Ferlach, wie Gerd Schretter, Gerald Ratz, Alois Erschen, Walter Odreitz, Manfred Ortner, Gert Sonnberger, Gerald Florian und die Leihgabe Georg Hitzberger erstmals am Jubiläumsturnier des UBC Kirchberg teilnahmen. Als Legionär wurde sogar Elmar Exceli, ein ehemaliger Bundesligaspieler, aus Innsbruck eingeflogen. Bei Gegenspielern wie beispielsweise Mike Maloy (erster amerikanischer Basketball-Legionär in Wien!) war dies auch bitter nötig.

In Erinnerung an unseren unvergesslichen Freund fanden in weiterer Folge zwei „Bernhard Rabitsch-Gedenkturniere" in Ferlach mit Mannschaften aus Klagenfurt, Radenthein, Kirchberg und Ferlach statt.

Durch die Reaktivierung von ehemaligen Aktiven versprachen wir uns auch wieder, erfahrene Funktionäre für die Basketballsektion zu gewinnen. Der Versuch ist bis dato leider nicht gelungen. Aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben...

 

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