Vom Kärntner Vorreiter zum Nachstarter

Eine Rückschau auf 50 Jahre SC Ferlach wäre zweifelsohne unvollständig, wenn nicht auch Volleyball Erwähnung finden würde. Zwar gab es bis vor zwei Jahren diese Sektion seit gut 20 Jahren nicht mehr, sie war jedoch von 1969 an über 25 Jahre ein Zweig des SC Ferlach.

1969: Die Anfänge

Während wir heute Volleyball als einen unglaublich populären Sport – auch in Kärnten – wahrnehmen, war er in den 1960er-Jahren bei uns gleichsam unbekannt. Und so unglaublich es klingen mag, der SC Ferlach war der erste Verein in Kärnten, der Volleyball in sein Sportprogramm aufnahm. Und das kam so:

Da gab es einen jungen Handballer des SCF, der beim Turnunterricht in der HTL Ferlach im Jahre 1968 Elemente des Volleyballspiels aufschnappte, der hieß Helmut Ebner, und dann gab es eine waschechte Ferlacherin, die, aus der Schweiz heimgekehrt, den Volleyballsport sozusagen im Gepäck hatte: Elfriede Krebs, Schwester des Obmannes Walter Perkounig sen. In der Folge kam es zu einigen lockeren Trainings-Zusammenkünften von Interessierten im Turnsaal der alten Hauptschule (später Volksschule Süd). Ein Blick in das Trainingsbesuchs-Heftl 1970 weist folgende Namen auf: Bierbaumer Erna, Barounig Pepe, Doujak Maria, Ebner Elke, Ebner Helmut, Ebner Peter, Langgner Günther, Mickl Greti, Ogris Franz, Perkounig Hanne, Perkounig Walter, Pontasch Roswitha, Schlemitz Hans, Urbas Sigrid, Vonböck Ernst, Krebs Peter, Hucek Christian, Ogris Christian, Barnert Gabriele, Wutte Harald, Berger Peter, Buxbaumer Fritzi, Schwarz Josefa, Schwarz Peter, Friedl Erich, Bizjak August, Struger Walter.

Nach einigen Monaten „wilden" Daseins gab es bald schon eine regel(ge)rechte Volleyballsektion mit einem Sektionsleiter, mit Teilnahme an Schiedsrichterkursen, mit Mitgliedschaft beim Österreichischen Volleyballverband und mit dem Hereinholen von arrivierten Trainern nach Ferlach. Aus dem anfänglichen Hin- und Hergeschupfe des Balles über die Schnur war also ein Sport geworden. Diese Entwicklung wollten aber nicht alle der VolleyballerInnen der ersten Stunde mitmachen. Übrig blieben nur wenige, die für einen ernsthaften Trainingsbetrieb zu haben waren. Die meisten von ihnen waren schon in anderen Sportarten aktiv.

1972: Verbandsgründung und inoffizieller Meistertitel

In den Jahren 1972 und 1973 bildeten sich dann auch in Klagenfurt und Villach Volleyballsektionen innerhalb bestehender Vereine, sodass es in der Folge zur Gründung des Kärntner Volleyballverbandes kommen konnte. Und SClerinnen und SCler waren von der ersten Stunde an maßgeblich an der Gründung und Entwicklung des Kärntner Volleyballverbandes beteiligt. Funktionäre der Anfangsphase waren Walter Perkounig sen. als Vizepräsident, Helmut Ebner als Verbandskapitän der Männer und Jugend, Boris Hucek sen. war Wettspielreferent, Ingeborg Bergmann geb. Gattereder und Margarethe Ebner geb. Mickl waren als Schriftführerin bzw. Kontrollausschussmitglied tätig.

Damals kamen die VolleyballerInnen auch erstmals in den Genuss eines wohldimensionierten Trainingsraumes mit markiertem Volleyballfeld im Turnsaal der neuen Hauptschule.

Anfangs wurden nur Freundschaftsspiele ausgetragen, und die Ferlacher Männermannschaft holte sich den ersten, allerdings inoffiziellen Kärntner Meistertitel.

1973 stellte sich mit der Anglo-Elementar-Versicherung ein Sponsor für die Volleyballsektion ein. Trainingskurse wurden besucht, der Nationaltrainer kam nach Ferlach, und erste internationale Kontakte mit Mann- und Frauschaften aus Slowenien und Italien wurden aufgenommen.

1973: SCF-Volleyballerinnen bei den Staatsmeisterschaften in Wien

Bei der Volleyball-Staatsmeisterschaft der Damen 1973 in Wien nahm erstmals auch ein Kärntner Auswahlteam teil. Auch vier Damen des SCF wurden von Verbandskapitän Stefan Vračar in die Kärntner Auswahl berufen: Inge Bergmann , Marlene Hucek geb. Jasbinschek, Margarethe Ebner und Edeltraud Gentilini geb. Mickl.

Der erste Schock erfolgte schon bei der Anreise: Die KVV-Damenauswahl war mit dem ersten SCF-Vereinsbus nach Wien unterwegs. Es war ein schon damals uralter, aus Bundesheerbeständen angekaufter und noch immer in stumpfgrauer Farbe daherbrezelnder VW-Bus. Auf der Autobahn kurz vor Wien – dahinbrausend mit Höchstgeschwindigkeit 85 km/h – gab der alte Herr seinen Geist auf. Da saßen die armen Provinzlerinnen nun knapp vorm Ziel in ihrem streikenden Gefährt. In kaum zwei Stunden sollten sie zum ersten Spiel der Staatsmeisterschaft einlaufen. Handy als Hilferufer gab es noch nicht, aber irgendwie gelang es den beiden Reisebegleitern Stefan Vračar und Helmut Ebner, zwei Taxis zu organisieren. Die Taxigebühren beliefen sich auf 1 000 Schilling. Als die Ferlacherinnen am Spielort ankamen, waren gerade noch einige Minuten Zeit zum Umziehen und Aufwärmen.

Und da machten die Ferlacherinnen große Augen in der großen Stadt und in einer derart großen Halle! Greti Ebner erinnert sich: „In der riesigen Halle – damals gab es in Kärnten ja noch keine einzige Ballspielhalle – fühlten wir uns völlig verloren. Als wir die anderen Teams beim Aufwärmen und Einschlagen sahen, wollten wir auf der Stelle aus der Halle verschwinden und wieder heimfahren. Wir getrauten uns kaum, einen Ball anzurühren, weil wir uns so schlecht fühlten. ‚A so geht Volleyball´ - wir waren völlig perplex über die harten Schmetterschläge und lautlosen Aufspielbälle."

Die gegnerischen Teams spielten allesamt schon jahrelang wettkampfmäßig Volleyball. Etliche Nationalspielerinnen waren dabei. Milde belächelt gingen die Kärntnerinnen doch ans Werk und schlichen nach entsprechendem Abschneiden gedemütigt aus der Halle.

Doch zurück zum Vereinsgeschehen 1974: Etliche Mitglieder unserer Volleyballsektion nahmen an Schiedsrichterkursen des Österreichischen Volleyballverbandes teil und leiteten in der Folge Meisterschaftsspiele in Kärnten: Walter Perkounig sen., Harald „Strauch" Wutte, Günther „Winzi" Langgner, Christian „Cekl" Hucek, Margarethe und Helmut Ebner.

Dem inoffiziellen Meistertitel sollte kein offizieller folgen. Bei der ersten offiziellen Kärntner Volleyballmeisterschaft nahm der SC Ferlach mit je einer Männer- und Damenmannschaft teil. Die Männer erkämpften den zweiten, die Damen den dritten Platz.

Und so wurden wir quasi links und rechts von den anderen aufstrebenden Volleyballclubs überholt. Unser Problem war nämlich, dass fast alle Mannschaftsmitglieder durch ihre Hauptsportart Handball, Basketball oder Badminton voll ausgelastet waren und ein leistungsorientiertes Volleyballtraining bei den rapid steigenden Anforderungen nicht möglich war. Ein angestrebter Neuaufbau mit „frischen" Leuten gelang leider nicht.

Ab 1975: Vom Sport zum Freizeitspaß

So kam es, nachdem der SC Ferlach mit ständig sinkendem Interesse noch einige Zeit an der Volleyballmeisterschaft teilgenommen hatte, zu einer Entwicklung, die die Volleyball- zu einer reinen Freizeitsport-Sektion werden ließ. Man fand weiterhin viel Spaß an diesem Sport, verzichtete jedoch auf intensives Training und damit in logischer Konsequenz auf die Teilnahme an der Meisterschaft. Zwar geriet das Techniktraining in den Hintergrund, aber man traf sich weiter regelmäßig zum Volleyballspielen, wenn auch jetzt mehr zum Vergnügen.

Es gab Zeiten, in denen es nur mühsam möglich war, genug Volleyballbegeisterte in die Turnhalle zu bringen. Und dann gab es viele Jahre, in denen sich bis zu 20 Spielerinnen und Spieler zwischen 14 und 40 einfanden, um sich gemeinsam zu bewegen und anschließend zusammen zu sitzen.

Gerne erinnern wir uns auch noch an die Reisen, die damals gemeinsam unternommen wurden, an Spiele gegen Juxmannschaften, an Mixed-Turniere und an das Ausspielen von „Bierbällen" beim Training, damit es einen zusätzlichen Anreiz gab, sich anzustrengen. Die „taktischen Besprechungen" nach dem Training fanden meistens beim „Maxe" im ehemaligen Gasthof Antonitsch auf der Dobrowa statt. Hier wurde manchmal bis in die Morgenstunden – und das an Montagen! – so mancher gläserne 2-Liter-Bierhumpen in Stiefelform geleert und Maxens Schnaps- und Likörvorräte durchgekostet. „A gehma auf an Stiefel?", war geflügeltes Wort nach dem Training in der Garderobe.

Mit der Volleyball-Schülerinnenliga, an der sich die Hauptschule Ferlach beteiligte, wurde abermals ein zündender Funke zur Belebung des Sports gelegt, doch gelang es nicht, die brennende Lunte bis in das Vereinsgeschehen des SC Ferlach zu verlängern. Die offenbar zu wenig herzhaften Bemühungen verliefen im Sande – und das ist ruhig wörtlich und auch positiv zu nehmen: Im letzten Jahrzehnt wurde Volleyball zum sportlichen Freizeitspaß für fast alle. Mehrere Beachvolleyballplätze auch in Ferlach beweisen dies.

Wiederauferstehung

Nach mehrjähriger Pause begann gegen Ende 2007 die Wiederauferstehung des Volleyballsportes in Ferlach. Claudia Lausegger und Claudia Mack waren die treibenden Kräfte für den „Restart". Mit viel Engagement warben sie junge Damen für den Volleyballsport und suchten unermüdlich einen Trainer und Verein. Mit dem SC Ferlach war bald ein Klub gefunden, ein erfahrener Trainer fand sich in der Person von Thomas Peternel. Horst Kerschbaumer half interimsmäßig als Sektionsleiter aus. Trotz der unangenehmen späten Trainingszeiten wurde fleißig gearbeitet. Bereits in der darauffolgenden Saison wurde mit einer Damenmannschaft in der Unterliga (Bild) gestartet.

Nachdem der bisherige Sektionsleiter nicht mehr weitermachen konnte, begann die Funktionärssuche von neuem. Schließlich konnte zwei Spielerinnenväter überzeugt werden, und im Herbst 2009 übernahmen Peter Baumgartner als Sektionsleiter und Klaus Melblinger als sein Stellvertreter die Verantwortung für die Sektion.

Nach einem weiteren Jahr in der Unterliga war es in der Saison 2010/2011 erstmals möglich, die scharfe Luft der Kärntnerliga zu schnuppern. Dem Trainer gelang es in dieser Phase, trotz vieler Niederlagen das Teamgefüge zu stabilisieren. Die gute Arbeit wurde bei den Nachwuchsmeisterschaften mit einem dritten Platz in der U 17 und dem sechsten in der U 19 belohnt.

Was für den Ferlacher Sportlernachwuchs bezeichnend ist, traf auch die Sektion Volleyball. Nach bestandener Matura hörten einige Mädchen aus Studiengründen auf, einige bessere Spielerinnen wechselten in höhere Klassen, sodass nur mehr eine kleine Handvoll junger Talente übrig blieb. Auch der Trainer wanderte in die Bundesliga ab.

Der kleine Rest ließ nicht locker. Anja, Nadja und Pia wollten weiterspielen und liefen und informierten und motivierten andere Mädchen. Zu Schulbeginn starteten sie schon mit einer Rumpfmannschaft unter der neuen Trainerin Dijana Barisic. Ein tolles Training und eine gute Kameradschaft im Team haben diese Mannschaft wachsen lassen.

 

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